BWI Aug./Sept. 2015: Dem Passivhaus gehört die Zukunft

BWI Aug./Sept. 2015: Dem Passivhaus gehört die Zukunft

Nach Barsinghausen droht derzeit die zweite Passivhaus-Siedlung in der Region Hannover zu floppen, die in Burgdorf nördlich des Zillewegs entstehen soll. Wie eine Lokalzeitung berichtete, wollten viele der Bauherren gar kein Passivhaus, weil ihnen die Mehrkosten dafür zu hoch seien. Einige nähmen sogar die Vertragsstrafe von 10.000 Euro in Kauf, die anfällt, wenn nach der Fertigstellung nicht nachgewiesen werden kann, dass alle Kriterien eines Passivhauses erfüllt sind - so steht es im Kaufvertrag der einzelnen Grundstücke.
Doch ist ein Passivhaus wirklich teurer? Mauermeister Eckart-Rolf Hellmann hat dieses Argument unzählige Male vernommen - in Gesprächen mit Interessenten, angehenden Häuslebauern oder in Beratungsgesprächen auf Messen und Veranstaltungen. Über die Mehrkosten für ein Passivhaus könne man pauschal keine seriösen Angaben machen, so Hellmann: „Das kann immer nur im Einzelfall kalkuliert werden. Denn dabei müssen sehr viele Faktoren berücksichtigt werden, zum Beispiel der Standort, die Himmelsausrichtung, die Form und die Lebensgewohnheiten der künftigen Bewohner."

Weitsicht gefragt

Doch zurück zur Frage: Wenn man die reinen Baukosten betrachtet, ist ein Passivhaus teurer, ja. Doch nicht nur Passivhaus-Profi Hellmann, sondern auch jeder andere seriöse Anbieter der Branche verweisen im selben Atemzug darauf, dass es ein Kardinalfehler sei, nur die Investitionskosten zu betrachten. Denn hier gilt die gleiche Rechnung wie bei Neuwagen oder Waschmaschine: Wer den Energieverbrauch beim Kauf außer Acht lässt, ist schnell angeschmiert und zahlt letztendlich massiv drauf.
Mit Hellmanns Konzept der Selbstbau-Passivhäuser lassen sich die Baukosten jedoch deutlich senken. Eckart-Rolf Hellmann, Bauprofi seit über 60 Jahren, hatte von Anfang an versucht, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Seine Erkenntnis: „Das geht nur über die Einbeziehung der Bauherrenfamilien selbst, also durch Eigenleistung."

Kosten senken durch Eigenleistung

Allerdings war dazu aber auch ein Material und Baukonzept vonnöten, dass eben das zulässt, und das Hellmann mit dem isorast-System fand. „Mit unserem Bausystem aus Neopor-Elementen kann jeder selbst bauen", so der Maurermeister. „Natürlich leiten wir die Bauherren dabei an, es ist immer jemand von uns vor Ort." Auch was den Innenausbau betrifft, können die Bauherren selbst aktiv werden. Viele der Bauherren haben Handwerksunterstützung in Verwandtschaft oder Freundeskreis. „Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele es ohne Vorwissen schaffen, Wände zu stecken, zu betonieren, Dämmplatten, Rohre und Leitungen zu verlegen und ganz nebenbei auch noch Badezimmer zu planen", berichtet Hellmann. „Viele entdecken dabei erst ihr handwerkliches Talent!"
Über 1000 solcher Selbstbauhäuser hat Eckart-Rolf Hellmann bislang betreut und bereits nach dem ersten eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Ein Bauherr, der selber Hand anlegt, sorgt eine erhebliche Qualitätssteigerung. Denn jeder Handgriff wird hinterfragt und perfekt ausgeführt. Die Qualität dieser Häuser ist besser als die vieler anderer. Das bestätigen auch immer wieder die Ergebnisse der Sachverständigen bei der Abnahme der Häuser.

Echte Wertschöpfung, schlaue Geldanlage

„Meine Bauherren schaffen sich selber ihre Häuser, die mehr als ihren Preis wert sind, und das im wahrsten Sinne des Wortes", berichtet er. Ein Beispiel: Als die Bank den Wert eines Selbstbau-Passivhauses in Hannover schätzte, lag der Wert bei 700.000 Euro. Gekostet hat das Haus, eine Lückenbebauung inklusive Grundstück, aber nur 530.000 Euro - das ist echte Wertschöpfung!
Wer rechnen kann, weiß, dass ein Passivhaus eine gute Geldanlage ist. „Auf der Bank gibt es ohnehin keine Zinsen, man kann sein Geld also besser in Qualität investieren, mit der man langfristig Kosten einspart", so Hellmann. Und er gibt zu bedenken: „Wenn Sie Ihr Haus in 30 Jahren wieder verkaufen, wofür bekommen Sie dann mehr Geld, für ein Standard- oder für ein Passivhaus?" Die Antwort ist wirklich einfach. Kaum jemand wird in 30 Jahren noch die hohen Energiekosten aufbringen wollen, die dann zwangsläufig anfallen. Bei der heutigen Energiepreisentwicklung ist die Passivhausbauweise einfach das Mittel der Wahl - eine sichere und gute Investition in die Zukunft.

Das sollten Bauherren wissen:
→ Die Energiekosten haben sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt. Auch wenn derzeit beim Heizöl eine kurzfristige Talfahrt angesagt ist: Die Preisspirale ist nicht mehr zu stoppen. Die Heizkosten werden in absehbarer Zeit kaum noch zu bezahlen sein.
→ Trotz der Mehrkosten ist das Passivhaus wirtschaftlich, weil es ein langlebiges Wirtschaftsgut ist. Über 50 Jahre aufsummiert beträgt der Gesamtkostenvorteil des Passivhauses einer Modellrechnung der Klimaschutzstelle der Stadt Frankfurt/Main mehr als 75.000 Euro!
→ Passivhäuser zeichnen sich durch einen hohen Standard aus, den ein herkömmliches Haus nicht erreicht. Eckart-Rolf Hellmann nennt das gerne „kontrollierte Wertschöpfung", denn: Der Marktwert eines fertigen Selbstbau-Passivhauses, wie er es mit seinen Bauherren baut, liegt in der Regel deutlich über den Baukosten.
→ Das „Standardhaus" wird in den nächsten Jahren durch die steigenden gesetzlichen Anforderungen teurer, der Sprung zum Passivhaus daher geringer.
→ Die Finanzierung für Passivhäuser ist in der Regel dank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) günstiger.

 

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