BWI Mai/Juni 2015: Wenn Häuser Energie erzeugen

BWI Mai/Juni 2015: Wenn Häuser Energie erzeugen

Rund 1000 Passiv- und Energiesparhäuser hat Eckart-Rolf Hellmann in den letzten 22 Jahren weltweit mit seinen Bauherren gebaut. Bauen Wohnen Immobilien sprach mit dem Passivhaus-Pionier und Maurermeister über aktuelle Projekte und die Zukunft des Bauens.

Immer mehr Unternehmen bieten schlüsselfertige Passivhäuser an, bei Ihnen müssen die Bauherren selbst Hand anlegen. Wieso funktioniert Ihr Konzept trotzdem?
Was uns auszeichnet, ist sicher die Tatsache, dass wir schon länger als alle anderen Anbieter Passivhäuser bauen - wir können auf eine über zwanzigjährige Erfahrung verweisen. Wobei ich das etwas einschränken möchte: Unsere ersten Häuser sind zweifelsfrei Energiesparhäuser. Ob sie allerdings den heutigen Passivhaus-Maßstäben standhalten würden, ist nicht sicher. Denn damals gab es noch keine Luftdichtigkeitsprüfungen und andere Tests, die bestanden werden mussten. Sicher ist, dass wir schon immer auf maximale Qualität und minimalen Energieverbrauch abgezielt haben.

Qualität spielt bei Ihnen ohnehin eine große Rolle, hat man den Eindruck.
Auf jeden Fall. Immer wieder passiert es unseren Bauherren, dass die Prüfer bei der Luftdichtigkeitsmessung der Häuser glauben, ihre Messgeräte seien kaputt: Die Häuser sind derart dicht, dass das Messergebnis bei null liegt. Das ist in der Praxis höchst ungewöhnlich - außer bei uns!
Damit die hohe Qualität auf die Dauer gehalten wird, dringe ich auf eine kontinuierliche Weiterbildung meiner Mitstreiter. So hat mein künftiger Nachfolger Ralf Ottinger seine Zusatzausbildung beim Passivhaus-Institut in Darmstadt als Passivhaus-Planer bestanden, nachdem er auch schon die Prüfung als Passivhaus-Berater abgelegt hat.

Ist das Selbstbauen nicht eine ziemliche Belastung?
Es ist viel Arbeit, daraus machen wir kein Geheimnis. Jeder Bauherr muss wissen, ob er oder sie das neben der Arbeit leisten kann und ob man seine Wochenenden und vielleicht auch den Urlaub auf der Baustelle verbringt. Viele unserer Bauherren haben aber kompetente Handwerksunterstützung in Verwandtschaft oder Freundeskreis, durchschnittlich sind die Häuser in einem Jahr fertig. Und ich bin immer wieder beeindruckt, wie viele es ohne Vorwissen schaffen, Wände zu stecken, zu betonieren, Dämmplatten, Rohre und Leitungen zu verlegen und ganz nebenbei auch noch Badezimmer planen. Viele entdecken dabei ihr handwerkliches Talent, ganz gleich, ob sie im echten Leben Lehrer, Landwirte oder Banker sind.

Was zeichnet Ihre Häuser noch aus?
Viele Bauherren stoßen auf uns, weil sie individuell bauen und ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen wollen. Dieser Wunsch lässt sich bei vielen Anbietern nicht umsetzen, außer natürlich zu erheblichen Mehrkosten. Bei uns wird jedes Haus grundsätzlich individuell geplant, genauso, wie die Baufamilie es möchte.

Wie viel Beratung und Unterstützung bekommen Ihre Bauherren?
Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite. Vor allem am Anfang, wenn es um die Erdarbeiten und die Sohleplatte geht, ist immer jemand vor Ort. Natürlich auch, wenn es mit dem Stecken losgeht, wenn es ums Betonieren und die Deckenplatten geht. Je weiter der Bau aber voranschreitet, desto weniger Begleitung ist erfahrungsgemäß vonnöten. Dennoch sind wir telefonisch und elektronisch immer erreichbar.

Letztes Jahr konnte man von Ihrem Sanierungsprojekt in Celle lesen. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Es geht voran! Es handelt sich ja bereits um das zweite Projekt mit dem Verein für Körperbehinderte e.V. in Celle, wo mitten in der Celler Innenstadt zwischen Bergstraße und Südwall Wohnungen und Treffpunkt für Menschen mit Behinderungen sowie ein Modegeschäft mit Schneiderei entstehen sollen. Beim kommenden Bauabschnitt geht es um den behindertengerechten Ausbau von drei Wohnungen, die nur über einen Fahrstuhl im Innenhof erschlossen werden können. Gleichzeitig wird mit der Sanierung des Werkstattgebäudes am Südwall begonnen. Hier müssen Abdichtungsarbeiten ausgeführt werden, weil Wasser eindringt. Der nächste Bauabschnitt umfasst dann die Erschließung einer Wohnung über dem Werkstattgebäude, ebenfalls behindertengerecht, versteht sich.

Welche Bauvorhaben betreuen Sie außerdem?
Auf unseren Baustellen brummt es mächtig. Neben den sieben Passivhäusern, die im letzten Jahr begonnen wurden, sind neue Selbstbau-Projekte in Gehrden, Vienenburg am Harz und Aligse bei Lehrte hinzugekommen. Außerdem stehen weitere Passivhäuser in Rüsselsheim, Groß Kreuz bei Potsdam, Stralsund, Ilsede, Mölln, Winsen/Luhe, Magdeburg, Langwedel, Hermannsburg, Garbsen sowie in Wennigsen auf dem Programm - die Planung ist zum Teil schon abgeschlossen.

Wie sieht die Zukunft des Bauens aus?
Wer scharf kalkuliert, weiß, dass ein Passivhaus rund 90 Prozent weniger Heizwärme als ein durchschnittliches Wohnhaus in Deutschland verbraucht. Angesichts steigender Energiepreise ist das Passivhaus also auf lange Sicht eine wirtschaftliche Investition.
Der Trend geht eindeutig hin zu Plus-Energie-Häusern, indem man sie mit Photovoltaik oder Kraft-Wärme-Kopplung ausstattet und einen Stromüberschuss erzeugt, der dann ins Netz eingespeist werden kann, sodass man neben der Einsparung von Öl, Gas, Holz und Kohle auch noch seinen Strom selbst erzeugt. Also ein wirklich energieautarkes Haus erschafft.

Leben im Passivhaus
Auf die Frage, wie es sich im selbstgebauten Passivhaus lebt, hat Hellmann-Bauherr Frank Dzaebel aus der Nähe von Braunschweig nur Gutes zu berichten: „Sehr gut - die Berichte von Herrn Hellmann zur Wohnqualität können wir nur bestätigen. Durch die Lüftungsanlage haben wir permanent Frischluft im Haus. Probleme mit Feuchtigkeit oder Schimmelbildung aufgrund von falschem oder ungenügendem Lüften kennen wir nicht", so Dzaebel. Die Temperatur im Haus wird ganzjährig in einem angenehmen Bereich zwischen 21,5 bis 24 °C geregelt. In den Sommermonaten ist die Temperatur der Zuluft für das Haus um einiges geringer als die der Außenluft. Allein dadurch wird ein kühlender Effekt erzielt.

 

 

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