BWI Jan./Febr. 2015: Kein Haus von der Stange

BWI Jan./Febr. 2015: Kein Haus von der Stange

Kommt eine Allergikerin in ein Passivhaus mit zwei Hunden und einer Katze. Nach einer guten Stunde geht sie wieder hinaus. Und was passiert? Nichts. Kein Niesen, keine roten Augen, keine Atemnot. - Was für Tierfell-Allergiker wie ein Wunder klingt, hat sich tatsächlich so zugetragen: bei Familie Marx, die inzwischen seit anderthalb Jahren in ihrem Selbstbau-Passivhaus bei Wolfsburg lebt.

Die Redakteurin von Hellmann varioform-haus traute sich zunächst nicht ins Haus, als sie von den Tieren erfuhr. Ihre bisherigen Begegnungen mit Tierhaaren in fremden Wohnungen waren nicht ohne Komplikationen verlaufen. Doch dann ging alles gut. Doch dann ging alles gut. „Dass ich dieses Mal keine gesundheitlichen Probleme bekam, muss an der Lüftungsanlage liegen, die die Luft filtert. Das ist unglaublich, ich bin wirklich begeistert!", berichtet die Allergikerin.
Auch die Bauherrin weiß die Luft in ihrem Haus zu schätzen: „Das merkt man allerdings erst, wenn man bei anderen zu Besuch ist, wo nicht automatisch ein Luftaustausch statt-indet. Manchmal empfinde ich es jetzt in Räumen ohne Lüftungsanlage als regelrecht stickig." Das Lüften hat sich das Ehepaar ohnehin abgewöhnt, weil es nicht mehr nötig ist. Nur im Sommer, wenn die Kinder im Garten herumtollen, bleibt die Terrassentür auch gern über Stunden geöffnet.

Filterwechsel? Ein Kinderspiel!

Dass die Luft sauber ist und auch dauerhaft bleibt, ist kein Zufall. Schließlich wechselt Familienvater Michael Marx regelmäßig die Filter in der Lüftungsanlage, in den Räumen und auch draußen im Ansaugturm. Ob so ein Filterwechsel schwierig ist? Nein - der Familienvater macht es vor und dreht über der Küchenzeile den Lüftungsschacht auf, holt einen kegelförmiges Vlies heraus und setzt ein neues ein. Im Vlies hat sich, wie man deutlich sieht, viel Staub abgesetzt, ebenso Pollen und sicher auch Tierhaare, die man aber nur unter dem Mikroskop nachweisen kann. „Ich finde es immer wieder faszinierend, was aus der Luft so alles herausgefiltert wird", sagt er und zeigt dabei den Filter, der rund zwei Monate über der Küchenzeile die Luft gereinigt hat. „Man merkt ja sonst gar nicht, was man da so täglich einatmet."

Unterstützung von allen Seiten

Nicht nur mit der Lüftungsanlage kennt sich Michael Marx gut aus, sondern auch mit der kompletten Verrohrung, der Elektrik oder der Dämmung. Schließlich hat er fast alles mit einigen Helfern selbst gebaut. Bis auf die Bodenplatte, die Zwischendecke, den Dachstuhl und die Fenster wurde sein Selbstbau-Passivhaus in Eigenleistung gebaut: „Mein Vater ist Tischler, mein Bruder Elektriker - so ist unser neues Eigenheim zu einem echten Familienprojekt geworden", berichtet der Bauherr. Viel Unterstützung bekam er dabei auch von Eckart-Rolf Hellmann, Ralf Ottinger und dem varioform-Team. „Wir hatten in der Bauphase viel tele-fonischen Kontakt, und sie hatten immer ein Ohr für uns und standen mit Rat und Tat zur Seite - natürlich auch direkt vor Ort", so Marx.

Wunsch nach individuellem Bauen

Zuvor lebte die Familie im Hause der Eltern in einer Vier-Zimmer-Wohnung, die auf Dauer für die gewachsene Familie mit Hunden und Katze einfach zu klein geworden war. Lange suchte die Familie vergeblich nach einem passenden Haus. „Als meine Eltern uns die Hälfte des Grundstücks schenkten, verwarfen wir endgültig die Idee des Immobilienkaufs und machten uns auf die Suche nach einem Bauträger. Trotz der vielen Angebote gab es nicht eines, das uns überzeugte. Alles war „genormt", es gab keinen Spielraum für individuelle Gestaltung - oder nur zu horrenden Mehrkosten", erzählt Michael Marx, der als Techniker tätig ist. „Wir wollten aber kein Haus von der Stange, sondern uns selbst mit einbringen."
Bei der Suche stieß das Ehepaar im Internet auf das Portal von Hellmann varioform-haus und lernte bei einem Messebesuch den Maurermeister persönlich kennen. Kurze Zeit später ging es los: Baubeginn war im September 2012, und genau ein Jahr und 25 Tage danach folgte der Einzug.

Ganzjährig wohl temperiert

Das Haus ist hell und fröhlich eingerichtet, die Holzdielen sind weiß lasiert. Auch wenn es ein trüber Wintertag ist, strömt von allen Seiten Licht herein. Im Erdgeschoss befindet sich der großzügige Wohnbereich mit Küche, Essecke und direktem Gartenzugang. Hier tobt das Leben - die drei Kinder im Alter von vier, sieben und zehn Jahren fühlen sich ebenso wie ihre Eltern sichtbar wohl.
Hinter der Küche liegt der Hauswirtschaftsraum, in dem es recht kühl ist. Grund dafür ist die Lüftungsanlage, die aus der Raumluft und Abwärme Warmwasser bereitet. Im Sommer dient die Lüftungsanlage zum Kühlen und sorgt für angenehme Innentemperaturen. Im Obergeschoss sind drei Kinderzimmer, Elternschlafzimmer, Badezimmer und ein Abstellraum untergebracht.

Überschaubare Energiekosten

Rund 1300 Arbeitsstunden hat das Ehepaar in das eigene Hausprojekt gesteckt, weitere 500 Stunden ihre fleißigen Helfer. Sie würden es wieder genauso tun, bekräftigen sie, auch wenn sie hier und da vielleicht kleinere Änderungen - etwa ein weiteres Fenster - vornehmen würden.
Energetisch hat sich das Hausprojekt auf jeden Fall gelohnt: Im vergangenen Jahr hat die Familie bei einer Wohnfläche von knapp 150 Quadratmetern rund 7000 Kilowattstunden Strom verbraucht - inklusive Warmwasser und Lüftungsanlage. Eine Heizung gibt es nicht. Pro Monat liegen die Energiekosten damit bei rund 160 Euro, was sich künftig noch einmal reduzieren dürfte, wenn der Hausherr die geplante Photovoltaikanlage auf dem Dach montiert. Insgesamt gesehen, hat das Haus deutlich mehr Wert, als die Familie bezahlt hat, betont Michael Marx.
Doch wie in jedem Eigenheim, so bleibt auch bei Wolfsburg noch einiges zu tun. Aus alten Basaltsteinen pflastert der Bauherr derzeit einen Gartenweg, auch die Zufahrt und der Vorgarten müssen noch angelegt werden. Der Bauwagen, der während der Bauzeit gute Dienste geleistet hat, wird aber bleiben und künftig als Gartenbar genutzt.

 

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