Neue Presse Hannover, 27.11.2014: Barfuß durch den Herbst

Neue Presse Hannover, 27.11.2014: Barfuß durch den Herbst

Wettbergen. Es ist ein sonniger Novembertag. Nahe dem Spielplatz in der Südwestecke der Ökosiedlung zero:e übt der Nachwuchs der Ortsfeuerwehr. Ansonsten herrscht auf den Straßen des Neubaugebiets weitgehend Ruhe. Allerdings sind deutlich mehr Besucher als an anderen Wochenenden in dem Wohnviertel unterwegs: Die Gäste nutzen den Passivhaustag der Klimaschutzagentur der Region Hannover, um einmal einen Blick hinter die Kulissen des Projekts zu werfen, das als Gipfel der energieschonenden Bauweise gilt. Einige Baufirmen haben ihre Musterhäuser geöffnet. Aber auch Bewohner wie Robert Kauth und Thorsten Wiggers sind auf interessierte Gäste eingestellt.

Bei Familie Wiggers herrscht seit dem Vormittag Betrieb. Mehr als 25 Besucher werden Wiggers, seine Frau Saskia und sein Vater Jürgen an diesem Tag durch das zweistöckige Haus lotsen. Oben hat der Vater eine Einliegerwohnung. Die drei Generationen lebten vorher in zwei Mietwohnungen. Im Mai 2013 legte Thorsten Wiggers, ein Informatiker, den Grundstein für den Neubau in der Wettberger Ökosiedlung. Seit Februar dieses Jahres leben sie nun zu viert in dem neuen Heim.

Über Passivhäuser schwirren Legenden durch die Szene der Bauwilligen. Eine besagt, dass die Bewohner nicht richtig lüften könnten und im Sommer mit aufgeheizten Räumen zu tun hätten. „Wir regeln das Klima über eine Lüftungsanlage. Mit der sollte man sich schon etwas auskennen", erklärt Wiggers. Aber sonst? Kein Problem, meint der Hausherr. Er könne jederzeit die Fenster öffnen. Aber er muss es nicht. Allenfalls versprüht die Familie dann und wann feine Wassertropfen - der besseren Luftfeuchte wegen. Nur im Sommer, das sei korrekt, müsse man mit der Sonne etwas aufpassen. Die Häuser im zero:e-Wohnpark sind nach Süden ausgerichtet und verfügen über große Fenster. Jalousien mildern dann die Sonneneinstrahlung. „Aber über Nacht verliert unser Haus kaum Wärme", betont Wiggers. Bei Bedarf könne er in einigen Räumen am Morgen und im Winter eine Fußbodenheizung hinzuschalten. Seit Februar hat er das aber noch nie machen müssen. Auch jetzt, im November, heizt er noch nicht.

Wiggers - barfuß und im T-Shirt - steht im oberen Wohnzimmer, zusammen mit seinem Vater und Michael Link, einem Besucher. Link ist neugierig, will irgendwann vielleicht selbst bauen. Gern ein Passivhaus. „In einem normalen Haus musst du doch vieles manuell machen", sagt er. Fenster auf, Fenster zu, Stoßlüften oder Dauerlüften, die Heizung nachregulieren. Im Vergleich dazu gehe es im Passivhaus letztlich auch nicht komplizierter zu.

Wiggers führt den Besuch in den Technikraum. Dicke Rohre ziehen sich über die Decke. Zwischen Regalen mit Vorräten sind technische Anlagen eingepasst. Dort liegt die Steuerzentrale für Lüftung und Strom. Die Luft wird über ein im Gartenboden verlegtes Rohr erwärmt oder gekühlt - je nach Außentemperatur. Es gibt Filter und Leistungsregler für den Luftstrom. Einmal eingestellt, regelt das Haus sein Klima praktisch allein. Strom produziert Familie Wiggers über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach selbst. Was sie nicht selbst verbrauchen, lassen sie gegen ein Entgelt ins Stadtwerkenetz einspeisen. Nur für die sonnenfreien Stunden muss die Familie etwas Strom dazukaufen. Gefragt, ob sie noch einmal dort einziehen würde, sagt Saskia Wiggers: „Immer wieder. Ich liebe es hier."

Ein paar Häuser weiter wohnt Robert Kauth, ein Softwareentwickler, mit seiner Frau Claudia und einer Tochter. „Sie findet problemlos Spielkameraden hier", sagt die Mutter. Dann schweigt sie ganz bewusst für einen Moment. Es ist still im Haus. Keine schnarrende Technik, keine Pumpen. Nichts. Die Lüftung arbeitet leise. Im Inneren des Hauses - der Novembertag geht draußen in eine kühle Dämmerung über - herrschen gemütliche 25 Grad Celsius. Geheizt haben Kauths bisher auch noch nicht.

Während Familie Wiggers für ihr Haus Fertigteile aus Schaumstoff eingesetzt hat, wurden hier Holzrahmen, Lehmflächen und Dämmmaterial aus Hanf verbaut. Eine Solaranlage auf dem Dach sorgt nicht für Strom, sondern auch für warmes Wasser und für die Heizung. „Vorher wohnten wir in einem Haus zur Miete und hatten monatliche Heizkosten von rund 80 Euro - das fällt jetzt weg", freut sich Kauth. Nur einen bestimmten Anteil an Strom müssten sie noch dazukaufen. Seit dem vergangenen Jahr wohnen Kauths im zero:e-Park und fühlen sich dort rundum wohl.

Eine Sorge haben sie dennoch, aber die hat nichts mit Passivhausstandards oder mit der Nachbarschaft zu tun - sondern mit dem zu erwartenden Autolärm von der geplanten Ortsumgehung für Hemmingen. Denn die neue Trasse für die Bundesstraße 3 wird in Hörweite an der Siedlung entlangführen.

Autor: Marcel Schwarzenberger

zurück

Sie haben Fragen? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Kontakt aufnehmen
Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform Hellmann Varioform