Cellesche Zeitung, 16.11.2013: Preiswert Bauen heißt gut planen

Cellesche Zeitung, 16.11.2013: Preiswert Bauen heißt gut planen

Sparen lässt sich an vielen Stellen

Der Weg zum eigenen Haus ist zumeist ein langer - und vor allen Dingen ein teurer. Es gibt aber viele Möglichkeiten, einiges an Geld zu sparen. Wer sorgfältig und vorausschauend plant, kommt billiger in die eigenen vier Wände.

CELLE. Bauen ist teuer. Weil sich an hohen Grundstückspreisen, fixen Material- und Lohnkosten kaum etwas ändern lässt, rät der Verband privater Bauherren (VPB) zum Sparen im Vorfeld: "Wer seinen Bau sorgfältig und vorausschauend plant, der kann Tausende Euros sparen." Je früher ein Bauherr Sachverständige zurate ziehe, desto mehr Baukosten könne er einsparen.

Ein Keller sorgt für Zusatzkosten

Besonders zu Buche schlägt der Keller, wissen die VPB-Sachverständigen. Wer darauf verzichtet und die Haustechnik in einem Nebenraum unterbringt, kann von vorneherein rund 20 Prozent der Rohbaukosten einsparen. Außerdem verkürzt der Keller die Bauzeit und vermeidet spätere Probleme mit steigendem Grund- oder sogar Hochwasser. Moderne Heizungsanlagen, gleich, ob gas- oder solarbetrieben, brauchen keinen Keller mehr, sie können direkt unter dem Dach installiert werden.

Holzkonstruktion ist billiger

Viel Geld spart auch, wer statt massiver Außen- und Innenwände preiswerte Holzkonstruktionen bevorzugt. Moderne Sparhäuser werden in Holztafelbauweise konstruiert. Dabei montieren Zimmerleute die Wände und Dachelemente in der Werkstatt komplett vor, mit Dämmung, Fenster- und Türöffnungen und Kabelschächten. Auf der Baustelle werden die Teile dann innerhalb weniger Tage zusammengesetzt. Das reduziert Baukosten und Bauzeit und die Bauherren können schneller ins eigene Haus ziehen.

Wer auf solide Außenmauern nicht verzichten möchte, der kann im Innern des Hauses am Material sparen: Leichte Trennwände sind preiswerter als massive. Der Einbau geht schnell, macht kaum Schmutz, und die trockenen Wände können sofort tapeziert oder angelegt werden. Lange Austrocknungszeiten entfallen damit und die Bauherren können drei bis vier Wochen früher einziehen als beim herkömmlichen Massivbau. Wer statt einer Garage einen Carport aufstellt, der kann beim Autounterstand die Baukosten um rund die Hälfte senken.

Bis zu 20 Prozent spart, wer beim Hausbau selbst Hand anlegt. Allerdings warnt der VPB Bauherren vor Überschätzung der eigenen Kraft. Neben handwerklichem Geschick brauchen diese nämlich viel Zeit, eigene Werkzeuge, Maschinen und Helfer. Außerdem muss die Eigenhilfe zeitlich mit dem Bauablauf harmonieren. Übernimmt der Bauherr zum Beispiel Gewerke in Eigenregie und wird dann nicht rechtzeitig fertig, muss der Bauunternehmer mit weiteren Arbeiten auf ihn warten und kann dafür Entschädigung verlangen. Selbsthilfe birgt also nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren. Dazu gehört auch der eventuelle Verlust von Gewährleistungsansprüchen gegenüber dem Bauunternehmen, wenn später Mängel auftreten und sich nicht nachweisen lässt, wer diese verursacht hat.

Ausbauhäuser ideal für Heimwerker

Ideal für Heimwerker sind Ausbauhäuser, die Zug um Zug fertiggestellt werden können. Während die Familie bereits wohnt, kann der Heimwerker in aller Ruhe das Dachgeschoss ausbauen oder die Einliegerwohnung. Wer in die Zukunft denkt, der baut schon in jungen Jahren seinen Alterssitz. Bereits in der Planung können viele Erleichterungen eingebaut werden, ohne die Baukosten zu erhöhen: Breite Türöffnungen, ausreichend Bewegungsflächen vor allen Türen, große Bäder, stufenlose Eingänge sollten deshalb in jedem Rohbau vorgesehen werden, fordert der VPB. Sie können zunächst zugemauert und erst bei Bedarf geöffnet werden. Das ist in jedem Falle billiger als der nachträgliche Umbau eines Hauses.

Wolfgang Becker

Nachgefragt bei: Eckart-Rolf Hellmann

Der Maurermeister Eckart-Rolf Hellmann ist Inhaber der Firma Hellmann varioform-haus, die ein Selbstbausystem für Passiv-, Null- und Plus-Energie-Häuser vertreibt. Was der erfahrene Baumeister unter preiswertem Bauen versteht, lesen Sie in diesem Interview.

Wie viel muss man eigentlich für ein Einfamilienhaus aufwenden?
Preiswertes Bauen nenne ich eigentlich preisbewusstes Bauen. Mir ist es wichtig, dass die Menschen den Wert einer Leistung korrekt einschätzen können. Wie viel Geld ein Bauherr für sein Einfamilienhaus aufwendet, liegt dabei ganz alleine in dessen Hand. Jeder Mensch baut nach seinen Möglichkeiten und seiner Vorstellung. Einen Richtwert kann ich nicht nennen, weil es bei mir keine Standardhäuser gibt.

Wie können Bauherren am besten sparen?
Indem sie vom ersten Gedanken an Vernunft und Sachlichkeit walten und sich nicht irritieren lassen. Das beginnt schon bei der Planung eines Hauses und mündet natürlich in dessen Umsetzung. Jede Träumerei kostet Geld, jede falsche Beratung letztlich auch. Bei aller emotionalen Bindung an den Traum vom eigenen Haus empfehle ich eine gewisse distanzierte und logische Betrachtung. Zuletzt ist es natürlich ein Höchstmaß an Eigenleistungen, die großes Sparpotenzial in sich haben. Aber Achtung: Eigenleistungen erfordern Zeitaufwand und setzen Eigenverantwortung voraus.

Welche Bedeutung hat dabei die Selbsthilfe?
Na ja, diese Frage ist eigentlich eine Dopplung der vorhergehenden. Die Selbsthilfe, ich nenne es Selbstbau oder Eigenleistung, ist ein ganz entscheidender Faktor. Ich vertrete die Philosophie, dass ein Bauherr, der selber Hand anlegt, für eine erhebliche Qualitätssteigerung an seinem Haus sorgt. Nennen Sie mir einen Menschen, der für sich selber bauen will und dabei nicht auf die beste Ausführung im kleinsten Detail achtet.

Preiswert und nachhaltig - geht das zusammen?
Natürlich, aber man darf "preiswert" nicht mit "billig" verwechseln. Meine Bauherren schaffen sich selber ihre Häuser, die mehr als ihren Preis wert sind, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Hier das Zitat eines Bauherrn, der mit mir ein Plus-Energie-Haus in nahezu kompletter Eigenleistung gebaut hat: "Also haben mein Schatz und ich durch die Eigenleistungen in dem einen Jahr Bauzeit 117.000 Euro erwirtschaftet. Das ist deutlich mehr, als mit unserer täglichen Arbeit im Job." Die Zahl ist die Differenz zwischen den Gesamtkosten für das Haus inklusive Grundstück und Extras und der abschließenden Bewertung durch die Bank. Wenn man sich das vor Augen führt, hat er durchaus preiswert und nachhaltig gebaut. In anderen Relationen funktioniert das in der Regel bei jedem selbst gebauten Passivhaus.

Interview: Wolfgang Becker

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