Passivhaus-Kompendium 2014

Passivhaus-Kompendium 2014

Das Selbstbau-Passivhaus in der Praxis
Wahrheit und Dichtung liegen dicht beieinander

von Erik Beyen

Ein Passivhaus eigenhändig zu bauen, das klingt nach einem Abenteuer der besonderen Art. Denn bereits der Bau eines herkömmlich geplanten Hauses verlangt Selbstbauern alles ab. Und trotzdem wächst die Gemeinde der Menschen, die sich den Traum vom Passivhaus tatsächlich in weitgehender Eigenleistung erfüllt haben, unaufhörlich. In aller Regel entschieden sich diese Bauherren für ein Bausystem aus Schalungselementen, die nach dem Nut- und Federprinzip zu einer dichten und exzellent gedämmten Gebäudehülle gesteckt werden. Angeboten wird dieses Bausystem unter anderem vom Maurermeister Eckart-Rolf Hellmann aus Winsen an der Aller in Niedersachsen. Mehr als 800 Selbstbauhäuser dieser Art hat er bereits betreut. Die allermeisten erreichen nach seinen Angaben traumhafte energetische Werte, die nicht nur einem Passivhaus alle Ehre machen.

Bauherrenbefragung bestätigt Wirtschaftlichkeit

Aussagen dieser Art klingen so plakativ, dass man sie hinterfragen muss. Und das hat auch der Maurermeister getan. Im Zuge einer Bauherrenstudie wollte er von seinen Passivhausbesitzern wissen, wie es sich in einem Selbstbaupassivhaus der „besonderen Art", wie er es nennt, lebt. Natürlich hat er die Fragen nicht so allgemein gestellt. Vielmehr ist er auf konkrete alltagsrelevante Fakten eingegangen: Raumklima, Wohnkomfort, tatsächlicher Energiebedarf, Baukosten und die damit verbundene Wertschöpfung, allgemeine Vorzüge und Nachteile der besonderen Bauart.
Die Antworten der Bauherren verblüffen:
Der Besitzer eines Passivhauses bei Mannheim berichtet von 200 Euro Gesamtstromkosten pro Monat bei 192 m² Wohnfläche. Darin auch enthalten: Warmwasser und der gewöhnliche Haushaltsstrom. Kosten für Gas oder Öl sowie Schornsteinfeger entfallen. Zum Wohnkomfort schrieb dieser Bauherr wörtlich: „Im Sommer trotz Hitze immer noch kühl. Im Winter kamen wir, ohne dass ich es glauben wollte, ohne zusätzliche Heizung aus."
In Hannover hat Maurermeister Hellmann zwei Lückenbebauungen realisiert. Stellt sich die Frage, ob ein Passivhaus als verschattete Lückenlösung funktionieren kann, ganz besonders im Winter. Die Antwort geben die Bauherren kurz und knapp: „Ja." Während der eine Besitzer für 110 m² Wohnfläche 60 Euro an Energiekosten pro Monat aufbringen muss, kommt die Besitzerin eines 320 m² großen Passivhauses auf gerade einmal 120 Euro Kosten für die Anlage zur kontrollierten Be- und Entlüftung inklusive Warmwasser. Interessant ist hier auch die Wertschöpfung: Gesamtkosten für das große Gebäude inklusive Grundstück: 520 000 Euro; von der Bank konservativ ermittelter Wert: 700 000 Euro.

Hoher Komfort

Ein Thema hat alle Befragten während der Bauphase beschäftigt: Funktioniert das Konzept wirklich? Kann ein Haus tatsächlich ohne eine gewöhnliche Heizung auskommen? Die Antwort: „Ja." In einigen Fällen sind elektrische Heizmatten im Badezimmer verlegt worden. „Für den Extremfall", erklärt Hellmann dazu. Die Bauherren sehen nicht nur ein mögliches Zuheizen: „Warme Füße am Morgen und am Abend sind besonders im Winter sehr angenehm", sagen sie.
Wie aber wohnt es sich nun in so einem Haus aus Schalungselementen? Auf diese Frage konnte kaum ein Bauherr in aller Knappheit antworten. Fassen wir zusammen: Viele Bauherren fühlen sich vom Raumklima verwöhnt und freuen sich über ständig frische und saubere Luft. Andere heben besonders den Schallschutz hervor und genießen die Ruhe im Haus. Auch die Lüftungsanlage sei kaum hörbar. Die Freiheit, Fenster öffnen zu dürfen, aber nicht zu müssen, taucht auch immer wieder als positiver Aspekt auf. Und dann, man mag es kaum mehr glauben, doch noch ein Wermutstropfen: Ein Bauherr empfindet die Raumluft als zu trocken. Maurermeister Hellmann dazu: „In der Regel sollte sich das über die Anlage zur Be- und Entlüftung regulieren lassen."

Selbstbau ist auch anstrengend

Was sich wie ein Märchen liest, hat allerdings auch eine andere Seite. Nahezu alle Bauherren berichten von einer enormen Belastung durch den Selbstbau, und das trotz der Schalungselemente, die lediglich gesteckt werden. Sie werden deutlich: „Wer wirklich ans Ziel kommen will, muss vom ersten Tag an seine Kosten ständig im Blick haben, Informationen zu Detaillösungen am Bau immer wieder abfordern, lange vorausplanen können, flexibel reagieren." Und, Zitat eines Bauherren: „Sie tun gut daran, auf die Worte des Maurermeisters zu hören." Der kommentiert: „Selbstbau ist kein Selbstläufer. Wer aber gut arbeitet, hat am Ende ein exzellent funktionierendes Passivhaus oder gar mehr für durchschnittlich 1000 Euro pro m² Wohnfläche. Und ich meine hier das bezugsfertige Haus."

Wissenswertes
Die hier genannten Passivhäuser sind mit Schalungselementen aus Neopor® nach dem Nut- und Federprinzip gesteckt worden. Dabei dienen die Elemente als Schalung für die massive Betonwand und Dämmung zugleich. Die Elemente sind als wohnmedizinisch empfehlenswert eingestuft worden, verhalten sich absolut geruchsneutral und bieten bauartbedingt einen exzellenten Schallschutz.
Der U-Wert (Wärmedurchlasswert) der Standardelemente (37,5) beträgt 0,13 W/(m²K). Mittels BlowerDoor-Test wird auch beim Selbstbau gemessen, wie dicht das Haus letztlich ist. Dieser Test ist im Passivhaus zwingend und stellt außerdem eine willkommene Kontrolle der geleisteten Arbeit dar. Damit ein Haus dem Passivhausstandard gerecht wird, müsste es eine Luftwechselrate von 0,6 h-1 erreichen. Der Durchschnittswert für ein Selbstbaupassivhaus nach Hellmanns Philosophie liegt nachweislich bei 0,1-0,3 h-1. Alle Häuser sind mit einer Anlage zur kontrollierten Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Sie sind nicht am Gasnetz angeschlossen und verfügen auch nicht über andere Heizanlagen herkömmlicher Art.

 

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